Hommage an den überfüllten Weihnachtsmarkt

 

 

Es ist die letzte Woche vor Weihnachten. Advent. Irgendwann stellt man fest, die Adventszeit ist verdammt kurz. Nun muss es werden: der Weihnachtsmarktbesuch!

Ich verabrede mich also mit meiner Freundin 18.00 Uhr an der Filiale der "Goldenen Möwe" am Altmarkt. Dort angekommen stelle ich fest, dass sich gefühlt halb Sachsen diesen Ort als Treffpunkt ausgeguckt hat. Irgendwann entdecken wir uns im Gedränge und lassen uns von einer glühgetränkseligen Menschenmenge in Richtung Neumarkt schieben und treffen dabei etliche glühgetränkselige Bekannte.

 

Auf dem Neumarkt ist es noch viel voller als ich mir vorgestellt habe. An den Eingängen des Weihnachtsmarktes im Stallhof des Schlosses haben sich endlosen Schlangen gebildet: Es dürfen nur Personen rein, wenn welche den Markt verlassen (Brandschutz ... Aha.)

An allen Ständen - vor allen denen mit Essen und Getränken - auf dem Weihnachtsmarkt am Neumarkt stehen Menschen dicht gedrängt. Geduldig warten sie auf Bratwurst oder Glühgetränk und ein wenig wird dort das Warten zum Selbstzweck des Marktbesuchs. Wir reihen wir uns an einem Glühweinstand in die Reihe der Durstigen ein, rutschen zentimeterweise vor und nach einer gefühlten Ewigkeit halten wir irgendwann glücklich glühend unsere Glühgetränke in der Hand. Da es für Advent recht warm ist, dauert es einige Minuten länger, bis das Getränk erkaltet ist. Getrunken ist es dennoch schnell. Dann halten wir ansteherprobt und motiviert Ausschau nach der Schlange vom Bio-Bratwurststand.

 

An diese Stelle werden viele erklären:

Genau DESHALB gehen wir nicht auf einen Weihnachtmarkt. Zu eng, zu voll, zu teuer.

 

Tja, letzteres mag sicherlich zutreffen … und wenn man etwas klaustrophobisch veranlagt ist, führen auch die anderen beiden Punkte zu einem gewissen Unwohlsein.

Doch betrachtet man - beim Warten und Reden - aus den Augenwinkeln die harrenden "Leidensgenossen" oder die Marktbesucher, die bereits einen Becher Glühgetränk oder Essen ergattert haben, wird man feststellen: Sie sehen überwiegend glücklich aus und nach viel Glühwein sogar grinsend … (bis auf wenige Eltern, die panisch versuchen, die Kleidung ihrer Kinder vor den Spuren der Weihnachtsmarktspeisen zu schützen) …

 

Mit kalten Fingern, dicken Mützen und leuchtenden Augen umklammern sie ihr Glühgetränk, als stünden sie bei -20°C im Schneesturm vor der Hütte vom Weihnachtsmann. Sie versuchen mit akrobatischen Zungenbewegungen den von der Wurst tropfenden Senf aufzufangen (nie war Senf so wertvoll wie auf dem Weihnachtsmarkt). Sie teilen sich geröstete Maronen, klauen sich gegenseitig Knoblauchpilze, beißen vom Handbrot der Freundes ab, stoßen mit dem neben sich stehenden (völlig fremden) Marktbesucher grinsend auf Weihnachten an und erklären sich beim Warten gegenseitig, wie lang die Schlangen doch sind und dass sie auf dem Striezelmarkt noch länger seien - klar und die Preise unverschämt.

 

… oder kurz: Niemand, wirklich niemand starrt länger als nötig schweigend auf sein Smartphone, während sein Gegenüber das gleiche tut und nebenbei das Glühgetränke hinunter stürzt. Nein, die Dinger werden allenfalls als Ortungshilfe für den Treffpunkt an der Mc Donaldsfiliale am Altmarkt herausgezogen oder um ein paar irre Gruppenselfies zu machen.

 

Ansonsten reden und lachen die Menschen miteinander!

Freunde, Bekannte, Kollegen oder sogar Fremde am Glühweinstand! Beim Warten, beim Essen oder Trinken - oder wenn man im Gedränge unvermeidlich ineinander rennt.

Das sonst mittlerweile allgegenwärtige und gesprächsbehindernde Smartphone wird zumindest kurzzeitig unbeachtet in Taschen, Jacken oder Rucksäcken gelassen.

Ich finde, dafür kann man auch mal 4,50 Euro pro Glühgetränk ausgeben.

 

In diesem Sinne: Einen schönen vierten Advent … und ja, geht euch ein Glühgetränk holen, stellt euch am besten zweimal an und freut euch an den - überwiegend - zufriedenen Menschen  ;) 

 

Striezelmarkt Dresden, Weihnachten 2019 - es lebe die Menschenmenge!
Striezelmarkt Dresden, Weihnachten 2019 - es lebe die Menschenmenge!