Schwierigkeitsskala in Sachsen - und was mir dazu einfällt

Im Sächsischen Sandstein gibt es eine eigene Bewertung der Kletterschwierigkeit. Sie reicht von I bis derzeit XII. Ab dem VII-ten-Sachsengrad werden die Stufen noch von a) bis c) unterteilt. Risse und Kamine werden zwar grundsätzlich diesen Schwierigkeiten zugeordnet, folgen dabei jedoch ihrer eigenen Logik und zeichnen sich meist durch hohen moralischen Anspruch aus.

 

Auch die Einstiege der Wege haben oft nicht wirklich was mit der Schwierigkeitsbewertung für den Gesamtweg zu tun, die können von superleicht bis superschwer im Grunde alles sein. Mein gutes Beispiel ist der AW auf den Winklerturm. Bewertet mit sächsisch IV - dafür hebt man dort noch lange nicht ab.

 

Die Schwierigkeiten in Sachsen (wo anders vermutlich auch) sind nicht transitiv. Das heißt, wenn ich ein paar gemütliche VIIa irgendwo hoch geklettert bin, heißt das nicht automatisch, dass ich jede I, II oder III schaffe - auch mit Blick auf Kamine und Risse. Jeder Weg hat seinen Anspruch und gerade bis VI kann das auch mal eine Überraschung sein. Je schwerer die Wege (Wandkletterei) werden, umso besser kann man sie einsehen und eine "Ringleiter" hochturnen, das bekommt man eher hin, als sich auf den überraschenden, ggf. ungesicherten Wegverlauf einer sächsischen V moralisch vorzubereiten.

 

In Sachsen gibt es zudem die Möglichkeit, den Gipfel durch einen Sprung zu erreichen. Im Sandstein finden sich derzeit Sprünge der Schwierigkeiten 1 bis 7. Ab dem 5. Sprung-Schwierigkeitsgrad sollte man nicht nur Nerven wie Stahlseile, eine Sprungfähhigkeit wie ein Känguru, sondern auch eine ausgefeilte (Schwebe)Sicherung haben.

 

Schwierigkeit in Sachsen

UIAA

an Wand/ Turm und Reibung

in Riss/ Kamin

I

1

Gemütliche "Treppe", Sicherung möglich, Abklettern i.d.R. kein Problem

 

z.B. Raupe/ AW

Kamin mit angenehmer Breite, Sicherungen meist gut möglich oder kaum nötig

 

z.B. Flasche/ AW

II

2

Gemütlicher Weg, erste Steilstufen oder Reibungsantritte auf großen Tritten könnten erforderlich werden, Abklettern meist noch möglich

 

z.B. Schusterturm/ AW oder

Trautmannsfels/ AW

 

Kamin mit noch angenehmer Breite, Kaminwände können schon glatter und steiler sein, Sicherungsmöglichkeiten nehmen tendenziell ab

 

z.B. Rauschenstein/ Alter Südweg oder

Talwächter/ Schusterweg

III

3

Griffe und Tritte werden kleiner, "sächsische" Elemente (wie Risse oder kurze Kaminstellen) könnten auftreten, Sicherung ist in aller Regel möglich bzw. nicht nötig.

 

Reibungswege sind noch angenehm flach und haben meist ausgetretene Spuren.

 

z.B. Böser Turm/ AW oder

Neurathener Felsentor/ Südwesteg

Kamine können jetzt überraschend anspruchsvoll werden, unangenehme Breiten treten auf, solide Kaminklettertechnik sollte beherrscht werden, lange Passagen ohne Sicherung treten auf.

 

z.B. Dreifingerturm/ AW oder Mönch/ Südostweg, Vorderer Gansfelsen/ Gühnekamin

 

Erste Risse, die Risstechnik erfordern finden sich – meist klemmen diese noch gut als Hand- oder Faustriss. Sicherungen können in diesen i.d.R. untergebracht werden, Ufos zur Sicherung sind hier meist hilfreich.

 

z.B. Sonnenwendstein/ Südriss

IV

4

Der Weg wird anspruchsvoller durch kleinere Griffe, Steilheit oder steilere Reibungskletterei. Sicherungsmöglichkeiten sollten sich finden lassen.

 

Reibungswege steilen auf, Tritte werden kleiner und abschüssiger.

 

z.B. Spannagelturm/ AW oder

Schöne Nadel/ Neuer Talweg

Kamine dieses Schwierigkeitsgrades dürften lang, glatt, ungesichert und auch in unbequemen Breiten auftreten.

 

Risse, die nicht der Wandkletterei zuzuordnen sind, bedürfen Klemmtechnik

 

z.B. Hinterer Gansfels/ Südweg oder

Meurerturm/ Genießerspalte

V

5-

Die Schwierigkeit nimmt zu, oftmals schon am Einstieg.

 

Reibungswege werden zunehmend steil.

 

z.B. Hirschgrundkegel/ Emporkante, Türkenkopf/ Südweg oder Tante/ Perrykante

 

 

 

Kamine dieses Grades sind entweder sehr breit – oder sehr eng (Schulterrisse), in jeden Fall bekommt man sie nicht geschenkt und sie sind in aller Regel gefährlich. Da sollte man sich seiner Sache wirklich sicher sein.

Auch Risse werden ab hier sehr anspruchsvoll. Solide Klemm- und Risstechnik sowie ein Berg Ufos helfen.

 

z.B. Heringsschwanz/ AW oder

Dreimännerturm/ AW

VI

5

Dieser Grad ist meist der "typische sächsische Gemischtwarenladen" – so finden sich da gerne Elemente von Wandkletterei, Rissen, Kaminen, Verschneidung u.ä.

Erste sichernde Ringe tauchen auf, doch wer sich darüber freut: ziemlich oft nach der Schlüsselstelle :(

 

z.B. Hinterer Höllenhundturm/ Talweg oder

Artariastein/ Variante zum Nordostweg (mein persönlicher VI-Favorit)

 

 

Reine Kaminkletterein in diesem Grad gibt es selten. Werden Kaminwege mit VI aufwärts bewertet, lauert die VI-er-Stelle irgendwo anders (meist im Ausstieg mit Reibung o.ä.)

 

z.B. Rauensteinspitze/ Breiter Kamin (man ist froh, wenn man den überlebt)

 

VIIa

5+/6-

Bei VIIa-Wandkletterei handelt es sich meist um schöne Wege. Achtung und "Augen-auf" gilt bei Riss-Stellen, Reibungsausstiegen und Überhängen, die können es ganz schön in sich haben.

 

z.B. Steinschleuder/ Westkante oder Vorderer Schroffer Turm/ Westkante 

 

 

Bei Rissen ab dem VII-ten-Grad sollte der Kletterer wissen, was er tut. Er bekommt nichts mehr geschenkt.

Die Wege hängen zum Teil über, Handrisse klemmen zunehmend schlechter, die Wege sind abdrängend und ab Faustbreite vereinzelt nur durch Ringe gesichert. Schlingen und Ufos liegen dann kaum noch.

 

z.B.

  • Langer Israel, AW (VIIb)
  • Turm am Verborgenen Horn, Gondaleiter (VIIb)
  • Ülmtülp, Wächterriss (VIIa)
  • Rotkehlchenturm, Linksgeneigter Riss (VIIc)
  • Freier Turm, Riesenkamin (VIIa)
  • Großer Falknerturm, Häntzschelriss (VIIb)
  • Champagnerriß (VIIc)

VIIb

6

Wandkletterei wird sehr kleingriffig und steil. Vereinzelt Schlingen an Platten oder Sanduhren. Die Ring"dichte" nimmt zu.

 

Reibung wird sehr steil. Kreativität beim Schlingenlegen ist gefragt.

 

z.B. Falkenstein/ Südriss direkt,

Förster/ Talseite, Rauschenstein/ Ostkante

 

VIIc

6+

Die Griff- und Trittgröße reduziert sich weiter. Überhänge treten verstärkt auf, Ringe auch.

 

Reibung wird sausteil und man giert nach jedem Ring, denn da wo es derart steil reibig ist, ist wenig Struktur für mobile Sicherungen.

 

z.B. Goldstein/ Südwand

Steinschleuder/ Wünschelrute, Wolfsspitze/ Felsensportweg

 

 

VIIIa

7-

Kleine Leisten, Griffen und Trittchen dominieren den gern auch überhängenden Weg. Sicherungen bieten oftmals nur noch Ringe in den schwierigen Wegstücken.

 

z.B. Höllenhund/ Violette Verschneidung oder Talweg,

Rauschenstein/ Gondakante

 

Reibungsstellen ab dem VIII-en Grad sind seltener. Ein paar beeindruckende Wege in diesem Schwierigkeitsgrad finden sich in Rathen, z.B. "Was guckst du" oder "Schau mer mal" am Luginsland.

 

 

 

 

Ab dem VIII-ten Grad, ist man froh, wenn man den Nachstieg ohne Panikattacken und ohne nenneswerte Abschürfungen überlebt – oder gar im Riss stecken bleibt.

 

z.B. Müllerstein, Schildbürgerriss

Schwager, Talweg

VIIIb

7

Die Strukturen werden immer kleiner – oder die Überhänge saftiger.

 

z.B. Bussardwand/ Bunte Wand

oder Falkenstein/ Direkte Westwand, Falkenstein/ Reginawand

 

VIIIc

7+

Kleine Griffe und Tritte, Fingerlöcher und Auflagen

 

z.B. Meurerturm/ Route Zehn oder Falkenstein/ Über den Drachenrücken

 

IXa

7+/8-

glatt

IXb

8

glatter

IXc

8+

super glatt und man guckt hilflos eine praktisch griff- und trittlose Wand an.

 

ab Xa

ab 9-

bin ich noch nie geklettert – sollte ziemlich glatte Wand und/oder stark überhängend in grifflosem Dach sein